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Hinhören und Zivilcourage zeigen
Vortrag über Jugendkriminalität – Kommissar zeigte Alarmzeichen auf

Geiselhöring (hs) Zu einem außerordentlich interessanten und lebendigen Vortrag mit dem Thema „Jugendkriminalität“ hatten die Ortsverbände der Jungen Union und der Frauen Union in Zusammenarbeit mit der Hanns-Seidel-Stiftung am Donnerstagabend in den Gasthof Wild eingeladen. Kriminalhauptkommissar Andreas Will berichtete über aktuelle, von Jugendlichen begangene Gewalttaten, wies auf Alarmzeichen hin und zeigte Präventionsmöglichkeiten auf.

Dass die Jugendkriminalität ein beängstigendes Niveau erreicht hat, zeigen die häufigen Schlagzeilen in den Tageszeitungen, stellte die Frauen-Unions-Vorsitzende Dr. Rose-Marie Baumann nach der Begrüßung der leider nicht sehr hohen Zahl von Zuhörern fest. „Doch was kann man ändern? Ist das ein Problem, dem man hilflos gegenüber steht?“ fragte sie.

Rudolf Mahlmeister von der Hanns-Seidel-Stiftung stellte Kriminalhauptkommissar Andreas Will aus Bamberg vor, der mit plausiblen Antworten auf diese Fragen einging. Mit eindrucksvollen Beispielen zeigte er ein Horrorszenario auf, das von brennenden Toiletten, verwüsteten Schulen, Giftattacken auf eine Putzfrau, Schlägen und Erpressungen von Mitschülern bis zum Mordkomplott gegen Lehrkräfte reicht. Verbrechen dieser Art seien durchaus nicht nur ein Problem der Stadtbereiche, so der Referent, sondern kommen sehr wohl auch auf dem Lande vor. Doch der erfahrene Kriminalbeamte erzählte keineswegs nur Schauergeschichten, sondern zeigte vor allem auch die Ursachen dafür auf.

Als ersten Grund für derlei Verfehlungen nennt er, dass Schüler oft noch nicht die geistige Reife haben, die Gefährlichkeit ihres Verhaltens zu erkennen und sich über die Tragweite ihrer Taten nicht bewusst sind. Oft werden aus Neugier, Langeweile, als Nervenkitzel und zur Auslotung der Normgrenzen gefährliche Bubenstreiche unternommen, deren Resultate den Eltern oder sonstigen Erziehungsberechtigten unglaublich teuer zu stehen kommen. Denn keine private Haftpflicht tritt bei grober Fahrlässigkeit, Mutwilligkeit oder vorsätzlicher Sachbeschädigung ein, stellte der Referent klar.

Als weitere Ursachen für Gewalttaten nannte er Stress oder Leistungsdruck, ungünstige soziale Strukturen, Alkohol und Rauschgift sowie ein gewisses politisches Spektrum, das Hass gegen Andersgesinnte schürt und Gewalt verharmlost. In diesem Zusammenhang zählte er die Bandenkriminalität zu den größten Problemfeldern.

Will erläuterte auch den Begriff der Beschaffungskriminalität und gab Beispiele von  Straftaten, die mit Handy und PC verübt werden. Im letzten Teil seines Vortrages spielte er gewaltverherrlichende Musik von politischen Gruppierungen an, um aufzuzeigen, wie diese anstachelnd wirken. Als abschreckendes Beispiel gab er Einblick in ein Waffenarsenal, das von Schülern konfisziert wurde, bestehend aus Schleudern, Schlagstöcken und -ringen, Dolchen, Schusswaffen und vielem mehr.

Wer unmittelbar mit einer Straftat konfrontiert sei, so der Referent, solle zwar auf keinen Fall den Helden spielen, jedoch nicht wegsehen, Zivilcourage zeigen und so den Anfängen wehren. Eindringlich forderte der Kriminalbeamte die Zuhörer auf: „Reden Sie mit den Kindern und Jugendlichen, fragen Sie nach und geben Sie nicht auf, wenn sie nichts sagen wollen“. Mitunter hilft auch die Methode, die Polizeibeamte bei ihren Ermittlungen anwenden, nämlich aufschreiben zu lassen, was sie bedrückt, oder was sie angestellt haben.

Den anwesenden Eltern, Großeltern, Lehrern oder sonstigen Bezugspersonen riet der erfahrene Kriminalbeamte, auf Alarmzeichen zu achten. Wenn Jugendliche verschlossen sind, sich absondern oder ihr Äußeres plötzlich komplett verändern, muss nachgefragt und im Zweifelsfall auch kontrolliert werden, ob die angegebenen Gründe stimmen. Als bestes Mittel zur Vorbeugung von Straftaten nannte er: sich seinen Kindern und Jugendlichen zuzuwenden und ihnen mit Geduld und Einfühlungsvermögen zu begegnen, jedoch auch die nötigen Grenzen konsequent aufzuzeigen. „97 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind in Ordnung“, betonte Will zur Beruhigung der Anwesenden. Jedoch werde jede dritte Straftat in der Bundesrepublik von den verbleibenden drei Prozent der Jugendlichen oder jungen Erwachsenen begangen und die Statistik zeige eindeutig, das Gewalt an Schulen ständig zunehme und ein Ende dieser Entwicklung noch nicht abzusehen sei.

JU-Vorsitzender Herbert Lichtinger dankte dem Referenten für seine mit eindrucksvollen Beispielen gespickten Ausführungen und gab als Fazit mit auf den Weg: mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und nicht wegzusehen, wenn etwas passiert, sondern mutig zu handeln, wo es möglich ist.

Bericht und Bild-Quelle: 
Helene Strasser, Sallach für die Laber-Zeitung und Straubinger Tagblatt